Die Erprobungsstufe dient der Beobachtung, Erprobung und Förderung der Schülerinnen und Schüler. Sie sollen den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium mit Freude und Neugier erleben und sich an ihrer neuen Schule gut aufgehoben fühlen.

Schwerpunkte dieser zweijährigen gymnasialen Eingangsphase sind die individuelle Förderung und die Beratung, um am Ende der Jahrgangsstufe 6 eine begründete Empfehlung für die Fortsetzung der Schullaufbahn aussprechen zu können. Beide Schwerpunkte finden sich sowohl im als auch außerhalb des Unterrichts wieder.

Wir arbeiten mit Klassenlehrerteams, weil uns kollegialer Austausch sehr wichtig ist. Deshalb gibt es am RGW neben den Erprobungsstufenkonferenzen die Pädagogischen Konferenzen, die zweimal im Jahr angeboten werden. An ihnen nimmt auch der Schulsozialarbeiter teil, der den Schülerinnen und Schüler an zwei Wochentagen zur Verfügung steht. An der ersten Erprobungsstufenkonferenz in der Jahrgangsstufe 5 nehmen auch die Kolleginnen und Kollegen der Grundschulen teil, damit der Übergang der Schülerinnen und Schüler auch auf dieser Ebene gut verzahnt ist.

Fächerangebot

In der Jahrgangsstufe wird mit einer Wochenstunde der individuelle Schwerpunkt angeboten. Der Unterricht wird nicht benotet und bietet so frei von Leistungsdruck die Möglichkeit sich auszuprobieren, eigene Stärken zu entdecken und zu vertiefen.

Das Angebot der Streicherklasse, das in Kooperation mit der Musikschule Witten durchgeführt wird,  ist eine Alternative zum Musikunterricht der Erprobungsstufe. Hier haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ein Streichinstrument in der Großgruppe zu erlernen. Die Instrumente werden von der Schule ausgeliehen.

Als Alternative zum Religionsunterricht erhalten die Schülerinnen und Schüler der Erprobungsstufe Unterricht in Praktischer Philosophie.

In der Jahrgangsstufe 6 stehen Latein oder Französisch als Wahlmöglichkeiten zur Verfügung. Beide Fächer werden in einer Informationsveranstaltung für Eltern und Kinder in der Klasse 5 vorgestellt.

Individuelle Förderung

Alle Schüler haben ein Recht auf individuelle Förderung. Deshalb kann es „die Förderung“ nicht geben. Die individuellen Bedürfnisse der Kinder stehen im Vordergrund des facettenreichen Förderangebotes des RGW, das nach dem Baukastenprinzip genau diese Bedürfnisse berücksichtigt.

Unser Konzept der Schwerpunkte setzt an den Stärken der Schüler an: Wir nehmen individuelle Neigungen ernst und fördern sie.

In den Jahrgangsstufen fünf bis sechs wird jeweils eine Wochenstunde diesem individuellen Schwerpunkt gewidmet.

Jeder Schüler kann nach persönlicher Neigung und Begabung wählen zwischen folgenden fünf Bereichen (Schach ist neu dazugekommen), die zugleich die Schwerpunkte des Schulprofils sind:

Unterricht

Individuelle Förderung ist auf Diagnostik angewiesen. Wir arbeiten mit einer online-Diagnostik für die Kompetenzbereiche lesen und schreiben in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Nach der Diagnose von Stärken oder auch Schwächen in einzelnen Bereichen erhalten die Schülerinnen und Schüler individuelle Fördermappen, mit Hilfe derer sie selbstständig an ihren Kompetenzen arbeiten können. Gelegenheit zur Unterstützung und Hilfe bieten hier die im Schuljahr 2014 neu eingerichteten Parallel-Fachstunden in einer Jahrgangsstufe. So können – vergleichbar mit einem Förderband – in einer Doppelstunde in der Woche im Fach Deutsch leistungshomogene Gruppen gebildet werden.

Lernbegleitung und die Erarbeitung von Lernstrategien und Organisationsmethoden werden in einer Wochenstunde in der Jahrgangsstufe 5 thematisiert. Zu diesem Zweck, hat das RGW einen schuleigenen Schulplaner konzipiert, in dem neben Lernmethoden auch Selbsteinschätzung und Zielorientierung eingeübt werden. Der Planer wird jährlich aktualisiert und an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst.

Leseförderung

Das Ruhr-Gymnasium ist in dem Verbund „Netzwerk Zukunftsschule“ in einem Projekt zur Leseförderung engagiert. Hier erarbeitet Module werden sowohl im Unterricht (Projekt zum Welttag des Buches mit Lesetagebuch, Büchereibesuch) als auch außerhalb des Unterrichts (Teilnahme am Antolinprogramm, Teilnahme am Vorlesewettbewerb, Schülerbücherei) angewendet.

Das RGW hat eine Schülerbücherei eingerichtet, die von Schülerinnen und Schülern in einer Arbeitsgemeinschaft betreut wird. Weiterhin bekommt jede Klasse der Erprobungsstufe von der Wittener Stadtbücherei eine Bücherkiste zur Verfügung gestellt, die monatlich aktualisiert wird. Die Bücher sind in den Klassenräumen jederzeit verfügbar, und werden natürlich auch nach Hause ausgeliehen.

Soziales Lernen

Die Erprobungsstufe beginnt für die Schülerinnen und Schüler mit zwei Sozialtrainingstagen, den Kennenlerntagen. Angeleitet von den Klassenlehrerteams erlernen die Schülerinnen und Schüler Regeln sozialen Umgangs miteinander und werden durch spielerische Teambildung zu einer guten Klassengemeinschaft. Hierzu sind ein Großteil der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrerin der Erprobungsstufe durch die Lions Quest-Fortbildung qualifiziert worden.

In der Jahrgangsstufe 6 wird das Thema soziale Netzwerke und der verantwortungsbewusste Umgang damit in Projekten gegen Cybermobbing, wie dem Planspiel „Gefangen im Netz“, das an einem Projekttag zum Thema soziales Lernen durchgeführt wird, pädagogisch aufgearbeitet.

Seit dem Schuljahr 2013 gibt es eine Junior-SV, die sich speziell mit Projekten und Themen der Erprobungsstufe befasst. Schülerverteter der Jahrgangsstufen 5-7, Unterstufenmanager und SV-Lehrer bilden ein Team, das Ansprechpartner für die Schülerinnen und Schüler der Erprobungsstufe ist.

Alle Klassen der Erprobungsstufen haben Klassenpaten aus den Jahrgangsstufen 8/9. Die älteren Schüler sind fest in die Kennenlerntage eingebunden, gestalten einen Spielenachmittag mit „ihrer Klasse“ und sind auf dem Schulhof in den Pausen eine Anlaufstelle für die jüngsten Mitglieder der Schulgemeinde.

Klassenfahrt

In der Jahrgangsstufe 6 fährt die gesamte Jahrgangsstufe für fünf Tage auf eine Klassenfahrt mit biologischem Schwerpunkt nach Juist.

Die Klassenfahrt wird im Biologieunterricht vor- und nachbereitet, vor Ort wird eine Wattwanderung gemacht, Seehundsbänke besucht und eine Muschelpräsentation erarbeitet.

Erprobungsstufenevents

Mehrfach im Jahr bietet sich den Klassen der Erprobungsstufe die Gelegenheit, sich als Klasse für etwas zu engagieren und auch über den Unterricht hinaus gemeinsam Erlebnisse zu teilen.

Im November öffnet das RGW seine Türen für interessierte Eltern und Kinder der Grundschulen und präsentiert sich am Tag der offenen Tür sowohl mit Schnupperunterricht in den Schwerpunkten und Kernfächern der Erprobungsstufe als auch mit Beratungs- und Informationsangeboten.

Jedes Jahr nehmen alle der Klassen der Erprobungsstufe am Wittener Drachenboot-Cup teil. Schon fast traditionell werden hier die ersten Plätze – sowohl sportlich als auch bei den kreativen Kostümen – von Ruhr-Gymnasiasten belegt. Das gemeinsame Paddeln ist eine Teamerfahrung, die die Klassen weiter zusammenwachsen lässt.

Vor den Sommerferien schließt das Schuljahr mit dem Unterstufenfest ab, das die Klassen der Erprobungsstufe selbstständig vorbereiten und durchführen, um die neuen Fünftklässler zu begrüßen. Unterstützt von den Klassenpaten und der SV werden Spielangebote, Speisen und Getränke, ein Showprogramm und eine Luftballonaktion zu Ehren der neuen Ruhr-Gymnasiasten auf die Beine stellt.

Beratung

Beratung von Eltern und Schülern hat in der Erprobungsstufe einen besonders hohen Stellenwert. Deshalb bieten wir in der Jahrgangsstufe 5 schon nach sechs Wochen einen Klassenlehrersprechtag an, der den Eltern Gelegenheit gibt sich mit dem Klassenlehrerteam über die wichtige Zeit der Eingewöhnung ihres Kindes auszutauschen.

Darüber hinaus finden zweimal im Schuljahr Eltern-Cafés statt, die bei Kaffee und Kuchen und einem thematischen Schwerpunkt, zu dem ein Referent eingeladen wird, Gelegenheit bieten, sich mit anderen Eltern, aber auch mit Lehrerinnen und Lehrern auszutauschen.

Beratungsgespräche gemeinsam mit Eltern, Klassenlehrerteams und Erprobungsstufenkoordination finden nach Vereinbarung statt, immer im Falle einer Empfehlung des Schulformwechsels am Ende der Jahrgangsstufe 6.

Die Beratungslehrerin, die Lerncoaches sowie die Sozialarbeiterin ergänzen das Beratungsangebot.

Übergänge

Der Übergang zwischen Grundschule und Ruhr-Gymnasium ist auf verschiedenen Ebenen eng verzahnt. Regelmäßiger Austausch der Kolleginnen und Kollegen sowohl bei Konferenzen als auch bei schuleigenen Arbeitskreisen gehören ebenso dazu, wie regelmäßige Schnuppertage für Grundschülerinnen und Grundschüler, um Ängste zu nehmen und Neugier zu wecken (Planetentag 2011, Schwerpunkttag 2013, Musicalprojekt 2014).

Seit 2013 nimmt das RGW an der Wittener Pilotphase des landesweiten Modellprojekts „Kein Kind zurücklassen“ teil. Hier erarbeiten Lehrerinnen und Lehrer der Primar- und Sekundarstufe gemeinsam mit Sozialpädagoginnen ein Schüler-Portfolio zum Übergang.

Auch der Übergang zur Mittelstufe ist für die Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Schritt, der von uns auf der pädagogischen Ebene mit einer Übergangskonferenz begleitet wird. Abgebendes- und aufnehmendes Lehrerteam setzen sich zusammen, um die Klasse möglichst bruchlos in die Mittelstufe zu begleiten.

Kooperationen

Gemeinsam mit dem Roten Kreuz bietet das RGW von Montag bis Donnerstag eine Hausaufgabenbetreuung an. Nach einem warmen Mittagessen haben die Schülerinnen und Schüler der Erprobungsstufe dort Gelegenheit, schulische Arbeiten zu erledigen, können gemeinsam mit Mitschülern lernen.

Seit mehreren Jahren besteht eine Kooperation mit der Musikschule der Stadt Witten im Bereich Musik. Der Streicherklassenunterricht wird von einem Instrumentalpädagogen der Musikschule in Absprache mit den Musikkolleginnen des RGW durchgeführt.

Im Sport-Bereich gibt es eine Reihe von Kooperationen mit Vereinen. Zum Beispiel Rudern und Handball erweitern das AG-Angebot für die Erprobungsstufe und bieten unseren Schülerinnen und Schülern direkte Kontaktmöglichkeiten mit einem Sportverein.